Vergangenen Montag mutierte das beschauliche Örtchen St. Martin in der Südpfalz wieder einmal zur Hochburg der internationalen Weinelite.

Zum siebten Mal veranstalteten Organisator Uwe Warnecke und die Gastgeberfamilie Kiefer die ‘Veritable’. Philipp Kiefer wurde im Frühjahr 2013 als einer von vier jungen Winzertalenten in das Förderprogramm ‘Spitzentalente’ des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) aufgenommen.

 

94 Weinmacher aus 41 Anbaugebieten in zehn Ländern stellten jeweils sechs ausgesuchte Weine vor. Neben Klassikern wie Angelo Gaja und Borgogno aus dem Piemont, F.X. Pichler und Kollwentz-Römerhof aus Österreich, Duval-Leroy und Roederer aus der Champagne und Graf von Neipperg aus Bordeaux kamen auch deutsche Edel-Winzer wie Knipser, Robert Weil, van Volxem, Dr. Bürklin-Wolf, von Winning und Markus Schneider.

„Crazy Uwe“ Warnecke, dessen Stationen als Sommelier im Deidesheimer Hof oder Oberkellner im Schlosshotel Kronberg nur ein kleiner Teil seiner illustren Gastro-Karriere sind, kennt sie alle – und lässt von Philipp Kiefer seinen eigenen Wein keltern. „Eine absolute Wein-Granate“, nennt ihn der Ellerstadter Top-Winzer Markus Schneider.

Auch das Saar-Weingut von Othegraven hat Warnecke wieder nach St. Martin geholt. Besitzer Günther Jauch samt Frau präsentierten ihre Weine höchstselbst. Geduldig lässt sich der prominenteste Messeteilnehmer fotografieren und fachsimpelt charmant über die Othegraven-Rebsäfte. Das Interview mit dem ambitionierten Wein-Aficionado folgt.

Alois Lageder – Weinmacher-Legende aus Südtirol und Pionier in Sachen Nachhaltigkeit – hielt am Vortag eine Rede über die künftigen Herausforderungen für Südtirols Weinwirtschaft. Bezogen auf seine eigenen Tropfen, brachte er seine Philosophie so auf den Punkt: „Unser Ziel ist es, Weine ins Glas zu bringen, die von ihrer Herkunft erzählen, von der Landschaft, in der sie gewachsen sind und von den Menschen, die sich dafür engagiert haben.“ Seine ‚Löwengang’-Serie setzt diese Maxime besonders eindrucksvoll in Geschmack um.

Eine Entdeckung war das kleine Weingut Gantenbein aus Fläsch im Bündner Rheintal. Nach Auffassung von Daniel und Martha darf die Traube darf nichts verlieren auf dem Weg von der Rebe in die Flasche. So fließt der Traubensaft entlang der Schwerkraft, wird weder wird gepumpt noch filtriert. Gantenbein gehört zur absoluten Spitze in der Schweiz, der erstklassige Pinot Noir erinnert an einen Burgunder, während sich der mineralische Chardonnay mit viel Schmelz und langem Abgang präsentiert. Kaum Wunder, dass die Weine Kultstatus genießen und immer ausverkauft sind

Selbst beim Kaffee setzten die Macher der véritable auf Qualität. Mit Matthias Gerber bediente ein Könner die Siebträger, der für den Röster Illy an der hauseigenen Akademie in München Profis und Laien ausbildet. Sein Cold Brew ist genau das richtige, um zwischen den unzähligen Wein-Degustationen klaren Kopf zu bekommen. Zwölf Stunden lang ist der Kaffee in kaltem Wasser gezogen. Das reduziert den Säuregehalt und betont seine aromatischen Noten. illy Crema heißt das cremige Softeis aus Crushed Ice und 100 Prozent Arabica-Kaffee. Gerber und seine Frau haben alle Hände voll zu tun – auch wenn an diesem Tag der Wein im Mittelpunkt steht.

Auch ein Gerstensaft-Hersteller mischte sich unter die Rebsaft-Gilde: „Haardt Bier“, die kleine und sehr feine Bier-Manufaktur aus Bad Dürkheim. Authentisch ohne Filtration und Pasteurisation gebraut, ist es eine höchst schmackhafte Alternative.

 

Der Ausklang des Tages begann am Tisch des Ausnahmewinzer-Trios Markus Schneider, Dirk van Nieeport und Philipp Kettern. „Willscht a Lewerworschte-Brot“, fragt der bodenständige Schneider mit verschmitztem Blick. Ein ‚Simbel’, wer hier Nein gesagt hätte.

Fotos: Christian Euler